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Egidius Braun (der seltene Vorname stammt aus dem Altgriechischen und bedeutet soviel wie "Schildhalter") spielte oft als bekennender Katholik häufig sonntags im Kloster der Augustinerinnen in Aachen-Walheim bei der heiligen Messe die Orgel; er macht aus seiner Vorliebe für den so genannten "kleinen Fußball" keinen Hehl und spricht auch sonst darüber, dass er viel Gutes tut. Wer ihn deshalb einen Populisten nennt, tut dem Mann unrecht. Den Fußball, referierte er zu seiner Zeit als DFB-Präsident gerne, vor allem die Nationalspieler, "kann ich eben nur in dieser Position für Sozialarbeiten missbrauchen".
Kein Zweifel, mit dem studierten Kaufmann (Ex- und Importbetrieb für Agrarprodukte) und Unternehmensberater Braun als Präsident an der Spitze hatte der DFB sein nationales und internationales Engagement im Sozialbereich ausgeweitet. Der Aachener fühlte sich zwar in vielerlei Hinsicht den Vorgaben seines Wegbegleiters und Freundes Neuberger verpflichtet, trat auch durchaus wie sein Vorgänger als charismatischer Kosmopolit auf, doch verlor er nie seine Chancen aus den Augen, den Schwachen zu helfen, die sich hinter den Schlagzeilen des großen Geschäfts mit dem Ball ducken. Über spöttische Mutmaßungen, mit dieser Fürsorge sei er nicht mehr von dieser Welt und in der Ellenbogen-Gesellschaft eine Fehlbesetzung, ging er mit mildem Lächeln hinweg. "Pater Braun", wie er in Anlehnung an die berühmte Romanfigur genannt wurde und wird ("Wenn damit beschrieben werden soll, dass mir menschliches Miteinander von großer Bedeutung ist, bin ich damit sehr einverstanden. Wenn damit gemeint ist, dass ich zu allem ja und amen sage, ist das völlig falsch."), wusste und weiß sich durchzusetzen. Wer je mit ihm am Verhandlungstisch saß, hat’s erfahren. Sein Spesensatz - eine altmodische Zahl, mit der er gern kokettiert - belief sich auf 20 Mark am Tag und stand in umgekehrtem Verhältnis zu seinem zeitweiligen Drang, sich als Workaholic zu betätigen. Braun fühlte sich als Anwalt von fast sechseinhalb Millionen Mitgliedern, die im DFB den größten Einzelsportverband der Welt darstellen, "die bedeutendste Gesellschaftsbewegung überhaupt", und ihr Mandat verlieh ihm Durchschlagskraft und seinen Argumenten zusätzliche Stärke.
Dass Braun, der seine Karriere in der Sportverwaltung Anfang der siebziger Jahre beim Fußballverband Mittelrhein begann, einmal Neuberger an der Spitze beerben würde, war zunächst nicht abzusehen. Sein Rückblick: "Als ich 1977 zum DFB-Schatzmeister gewählt wurde, galt ich keineswegs als Wunschkandidat des damaligen Präsidiums. Für Hermann Neuberger und mich brachte die Zeit nach der Weltmeisterschaft 1982 in Spanien ein Schlüsselerlebnis. Nach diesem wenig erfreulichen Turnier forderte ich die Bereitschaft zu interner, harter Selbstkritik. Dies wurde zunächst missverstanden. Doch als ich Neuberger deutlich machte, dass nicht die Kritik an Personen gemeint war, dass ich im Gegenteil mein eigenes Schicksal mit seinem verbinden würde, war dies die Wurzel unserer vertrauensvollen Gemeinsamkeit."
Neuberger und sein "Schildhalter" Braun, sie bildeten zusammen ein starkes Team. Gemeinsam bewältigten sie die Anfeindungen im Vorfeld des Europameisterschaftsturniers 1988 in Deutschland, gemeinsam feierten sie den deutschen WM-Triumph 1990 in Italien, gemeinsam managten sie die Gewinn-Maximierung im TV-Millionenpoker um die Übertragungsrechte der Bundesliga, der Länderspiele und der großen internationalen Turniere. Braun sah sich nach dem Tod seines Freundes und Vorgängers ständig steigendem Druck ausgesetzt, dem Pay-TV für die Fußball-WM 2002 und 2006 unter ausschließlich kommerziellen Gesichtspunkten die Tore zu öffnen. Ein solches Ansinnen ging ans Eingemachte. "Nicht für eine Milliarde Mark", beschied er die Antragsteller, werde er zulassen, "dass den Fußballfans ihre Nationalelf verschlüsselt wird. Das wird es unter mir nicht geben."
Ebenso kraftvoll setzte sich Egidius Braun für die deutsche WM-Bewerbung ein. Dies, so Braun mit Inbrunst, sei eine optimale Chance, sich als "neues Deutschland im Herzen Europas" darzustellen. Aber nicht ohne zwei Stadien in den neuen Bundesländern. Die Vergabe der Ausrichtung der WM 2006 an Deutschland im Sommer 2000 bleibt also massgeblich mit der Arbeit von Egidius Braun verbunden. Braun, ein Freund der schönen Künste, der als Delegationsleiter des deutschen Teams in Mexiko (WM 1986) am Flügel für Stimmung sorgte und als Sportdiplomat in der Bonner guten Stube des früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker aufspielte, wirkte in der Öffentlichkeit außerordentlich liebenswürdig und zugänglich. Zweifellos verstand er es in seiner verbindlichen Art, Menschen zu sich ins Boot zu ziehen. Er zeigte Gefühl, auch wenn ihn Kameras beobachten. Die Tränen, die Braun nach der schrecklichen Handlung deutscher Krimineller am französischen Polizisten David Nivel im WM-Spielort Lens vergossen hat, rührten Zuschauer in aller Welt an, weil sie ehrlicher Ausdruck seiner Erschütterung waren. "Das war die schwärzeste Stunde meines Lebens", gestand er und verwarf trotzdem den vorübergehenden Gedanken, als Ausdruck der Trauer die Nationalmannschaft aus dem laufenden Turnier zurückzuziehen: "Wir hätten vor dem Ungeist und dem Verbrechen kapituliert."
Sehr betroffen machten Braun auch die Umstände, die wenige Wochen nach dem WM-Aus der Nationalmannschaft (im Viertelfinale gegen Kroatien) im September 1998 zum Rücktritt des Bundestrainers Berti Vogts führten, mit dem ihn ein besonderes Verhältnis verband.
Einen Monat später bestätigte der DFB-Bundestag Egidius Braun mit großer Mehrheit in seinem Amt. Sein Kampf gegen Drogenmißbrauch, Arbeitslosigkeit, Armut in Dritte-Welt-Ländern und osteuropäischen Staaten, für die Integration von Ausländern und die Aufwertung des Ehrenamtes geht
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